AHAE „Fenêtre sur l’Extraordinaire“ im Schloss Versailles

Am Fenster seines Ateliers träumt der südkoreanische Künstler Ahae mit offenen Augen. Im Zeitraum von drei Jahren hat dieser Erfinder und enorm reiche Unternehmer das Schauspiel der Natur, das sich seinen Augen bietet, mit seinen Photographien eingefangen: den Flug eines Graureihers, einen Sonnenuntergang, den Regen über dem Teich, eine vorüberziehende Wolke – Jahreszeiten, die sich ihm im Licht einer Ur-Welt darbieten. Mit „sanfter Hartnäckigkeit“ – wie Catherine Pégard es nennen wird – hat sein Sohn Keith Yoo dem Projekt des Vaters Atem verliehen und seine Werke in den schönsten Museen der Welt ausgestellt. Nach seiner Einzelausstellung im Louvre („ich hätte nie gedacht, dass irgend etwas dieser Ausstellung gleichkommen könnte“) hat dieser erleuchtete Mäzen in der Orangerie von Schloss Versailles ausstellen dürfen. „Ein enormes Privileg“, begeistert sich Keith Yoo, der – wie viele seiner Größe – eine Schwäche hat: In ein Frankreich verliebt zu sein, das heute vielleicht nur noch Schein ist und das manche sogar untergehen lassen wollen. „Ich liebe diese Atmosphäre“, sagt er, wenn er von Paris spricht, wo er seinen Wohnsitz gewählt hat.

„Keith Yoos Schwäche ist, sich in ein Frankreich verliebt zu haben, das es vielleicht nur dem äußeren Schein nach noch gibt.“

Keith Yoo wohnt in Saint-Cloud, doch bald wird er in das XVI. Arrondissement ziehen: Denn dort ist nicht nur für Obdachlose Platz. Am Eingang des Parks werden Regenschirme mit seiner Unterschrift verteilt. Eine königliche Musik untermalt die Wasserspiele der Brunnen. Keith Yoo schüttelt Hände, von bedeutenden Geschäftsleuten, von Persönlichkeiten aus aller Welt, von der Mutter Carla Brunis bis hin zu den Botschaftern von England, Italien und Österreich. Letztere, Ursula Plassnik, ist die ehemalige Außenministerin Österreichs: „Ich bin die Österreicherin“, sagte sie bei ihrem Einstand in Paris. Doch da diese Äußerung niemandem zum Lachen brachte, sagt sie jetzt: „Ich bin Österreicherin, keine Deutsche.“ Sie liebt diese Stadt, wo man noch junge Mädchen antreffen kann, die – in die Lektüre eines Buches vertieft – ihres Weges gehen. Doch sie bedauert auch die Gleichgültigkeit der Franzosen gegenüber all dem, was sie nicht betrifft. Keith Yoo hat den Koch gewählt: Jean-Louis Nomicos. Das beweist seinen guten Geschmack. Nach dem Abendessen findet ein Feuerwerk statt: Die einstige und die moderne Welt vereinen sich. Bei seiner Rückkehr nach Seoul wird Keith Yoo seinem Vater den Film dieses Abends zeigen; der wird sich dann wie ein König freuen.

bdesaintvincent@lefigaro.fr

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